Hier könnt ihr euch über unsere aktuellen Fortschritte informieren. Viel Spaß dabei. :-)

Dummyarbeit - Die Sache mit den grünen Stoffsäckchen

Stella wird seit zwei Jahren mehr oder weniger als Dummyhund geführt. Für sie ist es die beste Art der Auslastung die man ihr bieten kann. Ganz retrieverlike verfügt sie über einen hohen Beutetrieb, gute Ausdauer und Markierfähigkeiten.

Leider konnte ich das Welpen/Junghundalter nicht ausnutzen, da ich damals noch nicht wusste wie man einen Retriever am besten beschäftigen kann. Sehr zu meinem Leidwesen, da Dinge wie z.B. perfekte Fußarbeit sehr schwerlich nachzuholen sind.

Angefangen haben wir mehr oder weniger unwissend, falsch im Aufbau, da ich oft zuviel wollte, zu schnell voranging und Stella wenig Zeit lies um Basics zu festigen. Lange konnte ich nichts mit ihr anfangen, da sie in meinen Augen einfach tat, was sie wollte. Sie war alles andere als steady, sprang also immer ein, tauschte Dummys untereinander aus, brachte auch mal eben zwei zurück und freute sich einen Ast. Ich mir weniger... :-D Unser wohl größtes Problem waren ihre, ich nenne es immer Ehrenrunden, die sie drehte, um dann irgendwann nach gefühlten hundert Jahren mal zurück zu kommen und ihre Beute abzugeben, wenn sie denn kam...

So sah Dummyarbeit 2006 bei uns aus:

 

 

Den Fehler allerdings muss ich bei mir suchen. Deutlich fällt auf, dass es für Stella keine Motivation gab das Dummy abzugeben. Stattdessen belohnte sie sich durch Schütteln und Spielen selber. Besser wäre es eine ordentliche Party zu feiern und sie anzufeuern zu kommen, denn bei Frauchen ist es mit Beute toll. ;-)

Nachdem ich es nicht schaffte, das Problem zu lösen, war ich absolut verzweifelt und schmiss den ganzen Mist hin. Ich dachte, eine Pause würde uns vielleicht gut tun.

Als wir wieder anfingen gab es immer mal wieder Phasen in denen ich den Eindruck hatte, sie hätte verstanden, dass "Apport" auch bedeutet, die Beute wieder heimzubringen, nicht nur zu jagen. Aber so richtig wollten wir einfach nicht zum Erfolg kommen. Stella fehlte schlichtweg der Spaß an der Zusammenarbeit und ich kam nicht darauf, dass ICH die jenige bin, die das ändern kann.

So schlichen sich über Monate große Fehler ein. Stella wurde ingesamt immer langsamer bei der Arbeit, brachte das Dummy nicht zurück, war überfordert, fing an Gras zu fressen, drehte ihre Ehrenrunden nach wie vor oder lies das Dummy einfach fallen. Ich antwortet dem ganzen, in dem ich Unterordnung von ihr verlangte.

Der Stopp-Sitzpfiff funktionierte sehr gut, also nutzte ich diesen für mich, um meinen Hund kurz bevor er bei mir war, ordentlich ins "Sitz" zu trällern, um dann die Chance zu haben, das Dummy an mich zu reisen und damit zu verhindern, dass Stella ein Fangspiel daraus machte.

Leider vergaß ich dabei völlig und bemerkte es auch nicht, dass Stella immer weniger Spaß daran fand, mir ihre Beute abzugeben. Und mal ehrlich: Warum sollte sie auch? Sie sah für sich keinen Vorteil, im Gegenteil sobald sie das grüne Säckchen ausgab, war der Spaß vorbei. Das war der Grund für Stellas selbstbelohnendes Verhalten, welches sich äußerte in Ehrenrunden drehen und Dummy schütteln/spielen. Für den Hund (=Egoist) muss es sich lohnen seine Beute abzugeben, das war bei uns ganz und gar nicht der Fall.

Als meine liebe Freundin Katharina Paul, die ihre Hündin Fortune Fila vom Hofesaat selbst sehr erfolgreich auf Workingtests führt, im März zu uns kam, wendetet sich mit ihrer Hilfe das Blatt. Ja, man kann sagen: Der Knoten ist geplatzt :-), aber nicht bei Stella sonder bei mir.

Eigentlich ist das Geheimrezept ganz einfach: Dummytraining muss in erster Linie Spaß machen, dem Hund und dem Besitzer. Dies haben wir erreicht durch ein Happydummyspiel ganz ohne Regeln. Stella fand es natürlich toll. Jede Abgabe wurde belohnt, am besten macht man sich richtig zum Clown, das gefällt dem Hund am meisten. :D

Hohe Töne, Zerrspiele, ganz viel Freude und vorallem das Dummy dem Hund wieder zurückgeben, dass er es eine kurze Zeit halten kann, waren hier für uns Stichworte. Es muss sich für den Hund lohnen seine heißgeliebte Beute abzugeben, die Mittel dazu sind von Hund zu Hund unterschiedlich.

Stellas Spaß an der Dummyarbeit steigert sich linear zu der Sicherheit, die sie durch mich und erfolgreich gearbeitete Apporte bekommt, so dass wir seit einigen Monaten ernsthaft zusammen arbeiten können. Sehr große Fortschritte hat Stella in der Händelbarkeit allgemein, in der Steadyness und der Wasserarbeit gemacht. Unsere Baustellen die wir momentan bearbeiten sind Fußarbeit, Abrufen vor dem Schicken, gerade Linien über Geländeübergang und nicht sichtige Fallstellen von Dummys. Es gibt also Arbeit, aber es macht gewaltig Spaß. :-)

Nachdem der Spaß zurück ist, kann ich auch wieder etwas mehr Unterordnung machen. Mittlerweile steckst sie es weg, wenn sie warten muss, bin sie geschickt wird, wenn sie das Dummy noch etwas länger halten muss, bis ich es ihr abnehme usw., aber im Aufbau ist das Gift. Ich bin wirklich sehr froh, dass Stella mir all meine Fehler verzeiht und wieder Vertrauen in unsere gemeinsame Arbeit gefunden hat.